von "Unbekannt"
Doch wie sollten wir das Opfer, das Gott in Christus fuer die Rechtfertigung und damit fuer die Rettung der Menschen gebracht hat, ansehen, und in Verbindung damit auch Gottes Zorn fuer jene, die dieses Opfer ablehnen, ja vielleicht sogar veraechtlich machen (Johannes 3:36)?
Fuer viele Jehovah's Witnesses und ebenso fuer viele [so genannte*] Christen anderer Gemeinschaften ist das Opfer Jesu eine so vertraute Lehre, dass sie oft nur noch wenig ueber Groesse, Grund, Zweck, Ursprung und Ziel dieses Opfers nachdenken. Das Wissen darum gehoert gleichsam zu ihrem christlichen Alltag, ebenso wie die Lehre von Reue und Busse (Umkehr), von Gebet und Vergebung. Ein christlicher Autor schrieb einmal: "Wir sollten unsere Reue bereuen und fuer unsere Gebete beten!". Ein kurioser Satz? Was will der Autor sagen?
Er will damit zum Ausdruck bringen, dass wir zwar das Erfordernis der Reue anerkennen, auch selbst bereuen in dem Bewusstsein, Suender zu sein. Aber unsere Reue ist oft routineartig, gewohnheitsmaessig oder oberflaechlich. Sie geht nicht richtig in die Tiefe. Wenn wir die Suende so ansehen koennten und wuerden, wie Gott sie sieht, dann wuerden wir vor ihr erschrecken, und wohl auch vor der »Duennhaeutigkeit« unserer Reue.
Darum meint er, wir sollten eigentlich unsere so schwaechliche, ungenuegende Reue vor Gott bereuen. Und unsere Gebete? Schon Paulus zeigt, wie wenig angemessen unsere Gebete dem Heiligen Gott gegenueber sind; wir beduerfen der Fuersprache Jesu und des Beistands des Heiligen Geistes, um unsere Gebete vor Gott annehmbar zu machen (Roemer 8:26-27). Darum meint der erwaehnte Autor, dass wir zu Gott beten sollten unserer Gebete wegen, dass er sie in ihrer Mangelhaftigkeit doch in Gnaden annehmen moege. Hat der Mann nicht recht?
Zu Kindern pflegte man vom »lieben Gott« zu sprechen; das ist verstaendlich. Aber mit dem Heranwachsen sollten wir als Christen lernen, dass Gott kein »lieber Gott« ist, sondern dass er Liebe ist. Er ist kein »liebes Alterchen«, dem man im Voruebergehen ein nettes Wort zuwirft. Nein! Er ist ein Heiliger Gott! Haben wir noch so recht einen Begriff davon, was dieses Wort bedeutet? Es zeigt sich fuer uns in dem, was er in seiner Liebe zu seinen Geschoepfen tat, um sie von der Verurteilung durch die Suende zum Tod zu befreien, denn der Lohn, den die Suende zahlt, ist nun einmal unwiderruflich der Tod (Roemer 6:23)! Er sandte seinen Sohn, damit er die Last der Schuld und der Suenden von Menschen wegnaehme auf sich selbst und damit auch die eindeutig festgesetzte Strafe fuer diese Menschen, naemlich den Tod, auf sich naehme.
Manchmal wurde hier schon die Frage gestellt: "Gott ist doch Liebe und er ist allmaechtig; warum vergibt er nicht einfach den Menschen, die bereuen und ihm dienen wollen?" In dieser Frage wird deutlich, dass der jeweilige Fragesteller sich keine Gedanken gemacht hat ueber Gottes Heiligkeit und Gerechtigkeit. Gottes Stellung zur Suende ist nach der Schrift eindeutig! Er hat nichts mit ihr gemein, wird sie nicht dulden, aber auch nicht uebersehen.
Es gibt keinen Teppich, unter den Gott die Suenden bereuender Menschen einfach kehren wuerde. Suende einfach uebersehen, einfach vergeben, ist mit Gottes Wesen und seiner Gerechtigkeit unvereinbar. Aber er weiss auch, dass kein Mensch, so wie dies Paulus gegenueber den Roemern deutlich ausfuehrte, als Gerechter vor ihn treten kann. Dennoch sagte schon der Prophet Habakuk: "Der Gerechte aber wird durch seinen Glauben leben" (Habakuk 2:4; Roemer 1:17). Durch seinen Glauben, gewiss; aber, der Gerechte? Wie sollte ein Mensch gerecht sein vor Gott? Unmoeglich! Nicht durch eigene Leistung!
Doch Gott sandte in seiner Liebe seinen Sohn, und dieser war in seiner Liebe voellig mit der Sendung und dem Auftrag, Suender zu retten, einverstanden. Er weiss, dass damit ein schrecklicher Tod verbunden waere, der Lohn der Suende. Aber er nahm all dies auf sich, trug alles an sein Marterholz hinauf. Er trug nicht nur die Suenden der Menschen, etwa wie eine Last, die man wieder ablegen kann, wenn sie einem zuviel wird; gemaess 2. Korinther 5:21 wurde er fuer uns zur Suende gemacht!
Er wurde zur personifizierten Suende, so dass wir nun in seiner Gerechtigkeit vor Gott stehen duerfen, ja dass wir Gottes Gerechtigkeit wuerden in ihm! Das ist fuer unseren Verstand kaum fassbar, die Tiefe der Liebe Gottes und Jesu, die Groesse und Kostbarkeit des Opfers, das hier gebracht wurde. Jesus, der nie von Gott getrennt war, er wurde zur Suende, und Gott, der Heilige Gott, wandte sich auf Golgatha von der Suende ab; darum rief Jesus: ein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen. Das war kein Ausdruck des Bedauerns oder gar der Reue, sondern ein Ausdruck des Schmerzes ueber einen Zustand, den er nie erlebt hatte, der fuer ihn das hoechste Leid bedeutete, auch wenn er wusste, dass er von seinem Vater am dritten Tag wieder gerechtfertigt auferweckt wuerde.
Gottes Haltung zur Suende blieb und bleibt unveraendert; aber durch das im Glauben angenommene Opfer Jesu duerfen wir Gott nun Vater nennen, ist und wird uns vergeben. Wer wollte diesem Opfer noch irgend eine Leistung beifuegen?
Jede Beifuegung waere eine Herabsetzung. Das ist keine billige Gnade! Gott gab dafuer das Hoechste und Teuerste, was er geben konnte, und er gab es aus Liebe. Und durch ihn, durch Jesus, haben wir Vergebung. Und auch diese Vergebung ist keine billige Vergebung! Sie wurde teuer bezahlt. Heinrich Heine soll einmal gesagt haben: "Gott vergibt gern; das ist sein Metier". (Heute wuerde man sagen: Das ist sein Job.) Der erste Teil stimmt: Gott vergibt gern, ist gern barmherzig. Aber es ist nicht sein Job, es ist seine Liebe zu Menschen, die ihn und auch Jesus angetrieben haben, und Paulus sagt zu recht, dass wir nun auch fuer den leben sollten, der fuer uns gestorben ist (2. Korinther 5:15).