von Unbekannt
Wenn man mit Jehovas Zeugen ins Gespraech kommt, wird man bald bemerken, dass ein wesentlicher Punkt ihres Glaubenslebens und ihrer Motivation zum Predigen die so genannte Streitfrage ist. Diese Streitfrage findet auch in den Schriften der Wachtturm-Gesellschaft wie im Wachtturm (WT) und in ihren anderen Publikationen immer wieder Erwaehnung, so zum Beispiel im WT vom 01.12.2007 auf den Seiten 26-30. Es soll sich hier um eine Streitfrage zwischen Gott und seinem Widersacher, dem Teufel handeln.
Satan habe die Rechtmaessigkeit der Souveraenitaet Gottes angezweifelt, ja bestritten, und Gott sei nun genoetigt, seine Souveraenitaet zu rechtfertigen oder rechtfertigen zu lassen. Die ganze Taetigkeit der Zeugen sei nun ausgerichtet auf diese Rechtfertigung Gottes und nur zweitrangig auf die Rettung von Menschen aus Suende und Tod. Auch das Werk Jesu habe die gleichen Gruende und Ziele.
Was sagt die Bibel dem unbefangenen Leser?
Jeder glaeubige Christ weiss und kennt die Aussagen der Schrift ueber die Gruende, warum Jesus von seinem Vater auf die Erde gesandt wurde: um uns Menschen aus Suende und Tod zu befreien. Die Aussagen darueber in den Evangelien wie auch in den uebrigen Schriften des Neuen Testaments sind zahlreich, vielfaltig und eindeutig. Als Beispiele seien nur angefuehrt: Johannes 1:29; 3:14-17; 3:36; 5:24; 6:40; 12:47; Roemer 3:25; 1. Johannes 2:2 und viele andere mehr.
Ist das Thema der Rettung von Menschen wirklich nur zweitrangig, das Thema der Streitfrage in Verbindung mit Gottes Rechtfertigung erstrangig?
Gewiss, Jesus machte stets deutlich, dass er nur tut, wozu ihn der Vater beauftragt hat; er gab der Wahrheit ueber seinen Vater Zeugnis (zum Beispiel Johannes 5:19-20+30; 6:37-38; 8:28; 18:37). Doch verhielt er sich so, um die Streitfrage um die Souveraenitaet Jehovas zu klaeren? Oder nicht viel eher weil sein Verhalten seinem Wesen nach der Liebe zu seinem Vater entsprach?
Waehrend die Bibel so viel und so oft ueber den angeblich zweitrangigen Grund seines Kommens, naemlich ueber die Rettung der Menschen spricht, erwaehnt sie die Streitfrage mit keinem Wort. Auch die Bibelkonkordanz der Jehovah's Witnesses enthaelt nicht das Stichwort Streitfrage in diesem Sinne.
Dort werden nur 5 Texte angefuehrt ueber unnoetige Streitfragen, die man meiden solle, doch kein Text ueber den angeblichen Hauptzweck des Kommens Jesu. Darum musste man andere Texte verbiegen, um sie auf diese konstruierte Streitfrage anzuwenden. Dazu spaeter ein Beispiel.
Tatsaechlich wurde von der Organisation der Jehovah's Witnesses schon immer die Rettung von Menschen als zweitrangig angesehen. So heisst es zum Beispiel im Buch »Die Wahrheit wird euch frei machen«, Seite 271: "Christus Jesus setzte, als er auf Erden war, die Errettung menschlicher Geschoepfe nicht an die erste Stelle, noch war er darauf versessen, die Welt zu bekehren". Ich persoenlich kann mich daran erinnern, dass man uns belehrte, die Rettung von Menschen sei nicht so wichtig wie die Rechtfertigung des Namens Jehovas.
Heute klingt dieser Standpunkt etwa so wie im Wachtturm vom 15.05.1995, Seite 20: "Schliesslich enthuellten Lichtstrahlen, dass Jehovas Vorsatz nicht hauptsaechlich darin besteht, Geschoepfe zu retten, sondern seine Souveraenitaet zu rechtfertigen. Das wichtigste Thema der Bibel ist nicht das Loesegeld."
Die Rechtfertigung des Namens Jehovas war jahrzehntelang die wichtigste Lehre. Einige Zitate dazu:
Die Rechtfertigung des Namens Jehovas im Mittelpunkt der Wachtturm-Doktrin, wichtiger als die Rettung von Menschen, hervorragendste Lehre der Bibel: jahrzehntelang in den Sinnen der Jehovah's Witnesses fest eingepraegt. Doch dann, ganz ploetzlich, im Wachtturm vom 15.05.1995, heisst es:
"Eine lange Zeit haben die Zeugen auch von der Rechtfertigung des Namens Jehovas gesprochen [Anm. d. A.: Wie milde und dezent ausgedrueckt!]. Hatte aber Satan den Namen Jehovas in Frage gezogen? Hatte es irgendeiner seiner Handlanger getan, so als haette Jehova nicht das Recht, diesen Namen zu tragen? Nein keineswegs. Nicht der Name Jehovas war in Frage gezogen und musste gerechtfertigt werden. Deshalb ist in den neueren Publikationen der Watch Tower Society - nicht mehr von der Rechtfertigung - des Namens Jehovas die Rede, sondern von der Rechtfertigung der Souveraenitaet Jehovas und der Heiligung des Namens."
Oefter mal was Neues, kann man da bloss sagen. Die hervorragendste Lehre der Bibel, wichtiger als die Rettung von Menschen, ist ploetzlich gar nicht mehr hervorragend, wichtig oder auch nur notwendig und folglich auch nicht in der Bibel vorhanden, war sie nie! Si sieht die biblische Unterweisung aus, die Speise, die der Treue und Verstaendige Sklave austeilt.
Doch auch von der neu formulierten Streitfrage ist in der Bibel nichts zu finden und man kann abwarten, auch wenn es noch dauern wird, bis neue Lichtstrahlen auch diese Definition ueberfluessig machen. Wie wird Gott denn hier dargestellt? Wie ein Kind, das sich provozieren laesst, sich auf einen Streit einlaesst? Als eine Person, die sich von ihrem Widersacher herausfordern und noetigen laesst, seine Macht und Souveraenitaet zu beweisen und zu rechtfertigen?
Wer haette je das Recht und die Macht, Gott so herauszufordern? Gott ist niemandem in irgend einer Weise Rechtfertigung schuldig. Die Lehre der Zeugen entehrt Gott, so empfinde ich es. Sie macht ihn manipulierbar durch seinen Widersacher. Man koennte dazu noch viel sagen. Weder Jesus noch die Apostel haben derartiges gelehrt. Wenn aber die Bibel eine solche Streitfrage nicht kennt, dann muss man eben geeignet erscheinende Texte umbiegen, um solche gegen Gott gerichteten Thesen zu stuetzen - zum Beispiel den Bericht ueber die dritte Versuchung Jesu nach Matthaeus 4: 8-11.
Dort wurden Jesus die Koenigreiche der Welt angeboten, wenn er dem Teufel gegenueber einen Akt der Anbetung ausueben wuerde. Bitteschoen, sagt der Sklave, hier geht es um Jehovas Souveraenitaet, um die Streitfrage. Doch wenn ich die Forderung des Teufels lese und Jesu Antwort darauf, dann ging es nicht um die Souveraenitaet Jehovas, sondern einzig und allein um die Frage der Anbetung. Lesen die Jehovah's Witnesses das ueberhaupt nach, nachdem der Wachtturm vom 01.12.2007 das auf Seite 27 so ausgelegt hat?
Von Jesus wird gesagt - in Absatz 17 auf der gleichen Seite -, dass er treu war bis zum Tode. Richtig! Er verkuendigte Gottes Reich, denn er ist dessen Repraesentant. Richtig! Er handelte stets und ausschliesslich nach dem Willen des Vaters. Richtig! Gott hatte ja vor, durch und mit ihm alle Dinge wieder zusammenzubringen (Epheser l:7-10).
Jesus ist unser Suehnopfer und Hohepriester, wie der ganze Brief an die Hebraeer zeigt. Das war und ist Gottes Wille und Gesetz. Aber doch nicht wegen einer Streitfrage, weil er sich vor Satan rechtfertigen muesste oder seine Macht und Souveraenitaet begruenden muesste, sondern allein nur, weil es sein Wille war und weil er, wie Johannes sagt, die Menschen liebt.
Doch der Wachtturm erkennt - Seite 28 oben -, dass Jesus nicht als Lehrer oder Wundertaeter gekommen war, nicht einmal nur als Erloeser, sondern um der genannten Streitfrage willen. Als er sagte "Es ist vollbracht", dachte er laut Absatz 10 nicht an sein suendensuehnendes Opfer, auch nicht an den vollbrachten Willen des Vaters hinsichtlich seines Opfergangs, denn "war er nicht vor allem auf die Erde gekommen, um die Streitfrage der Souveraenitaet Jehovas zu klaeren?".
Seltsam: Ueber die Verlorenheit des Menschen und ueber die Rettung von Suendern hat Jesus so offen und so haeufig gesprochen. Ueber die Streitfrage anscheinend so undeutlich, dass nur der Sklave mit Hilfe von Lichtstrahlen es ueberhaupt gemerkt hat. Nach diesem Wachtturm musste Jesus auf die Probe gestellt werden, um die Ehre Jehovas wiederherzustellen; darum sagt der Wachtturm auf Seite 30, Absatz 16 in Bezug auf die zu bekehrenden Menschen: "Wir muessen ihnen begreiflich machen, worum es eigentlich geht: um die Streitfrage".
Die Engel verkuendeten bei Jesu Geburt eine grosse Freude und wir erfuhren von einer Guten Botschaft von Gottes Reich, einer Guten Botschaft ueber den Christus, einer Guten Botschaft der Rettung. Von einer Botschaft der Streitfrage weiss nur der Treue und Verstaendige Sklave, die leitende Koerperschaft der Jehovah's Witnesses.
Es geht wirklich um vieles in Gottes Wort: um Liebe zu ihm und zu seinem Sohn; um die Erfuellung all seiner Verheissungen in Christus, in dem sie ja alle zum Ja und zum Amen geworden sind (2. Korinther 1:20), um Suendenvergebung und Rettung von verlorenen Menschen, um Leben und um Gericht. Aber um eine Streitfrage, in der Gott sich vor dem Widersacher rechtfertigen muss? Das hat nur der Sklave gemerkt und durch ihn die von ihm Belehrten; alle anderen haben das noch nicht gemerkt. Ich auch nicht!
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